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Etwa 500 000 Menschen haben am Sonnabend den Christopher Street Day gefeiert.
In einer Parade zogen Lesben und Schwule mit 80 geschmückten Wagen stundenlang
durch die Innenstadt. Mit fantasievollen Kostümen, Transparenten und
Wagendekorationen hatten zahlreiche Teilnehmer das Motto der Demonstration
"Berlin stellt sich que(e)r gegen Rechts" umgesetzt (queer bedeutet im
Englischen homosexuell). Auf der Abschlusskundgebung an der Siegessäule
sprachen sich Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der Regierende
Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD) für ein stärkeres Engagement gegen
Rechtsextremismus aus.
Es war der 23. CSD-Umzug in Berlin. Seit 1979 wird jedes Jahr mit einer Parade
Gleichberechtigung für Homosexuelle gefordert. Ähnliche Umzüge finden in
Städten auf der ganzen Welt statt. Sie erinnern an den 27. Juni 1969, als sich
Homosexuelle in New York mit einem Aufstand in der Christopher Street gegen
Diskriminierung zur Wehr gesetzt hatten.
Das regnerische Wetter hatte an diesem Wochenende kaum jemanden abgehalten.
Zuschauer jeden Alters standen mit Regenschirmen und Fotoapparaten bewaffnet am
Kurfürstendamm Spalier, als sich um 13 Uhr der Zug in Bewegung setzte. An der
Parade über Nollendorf- und Potsdamer Platz, vorbei am Brandenburger Tor bis
zur Siegessäule beteiligten sich Vereine wie die Deutsche und die Berliner
Aids-Hilfe, "Homosexuelle und Kirche", "Ost-Frauen-Lesben-Camp", verschiedene
Schwulen-Bars und der homosexuelle Arbeitskreis der Polizei Berlin-Brandenburg.
Auf der Abschlusskundgebung am Abend an der Siegessäule regte Thierse an, ein
Mahnmal zu errichten, um an die von den Nazis verfolgten Lesben und Schwulen zu
erinnern. Thierse sprach als erster hoher Staatsrepräsentant auf einer
CSD-Veranstaltung in Deutschland. Noch immer seien Lesben und Schwule besonders
in ländlichen Regionen Diskriminierungen ausgesetzt, so Thierse. "Vor allem
dort, wo es die so genannten national befreiten Zonen gibt, werden Homosexuelle
angepöbelt und verjagt", sagte Thierse. Die Gesellschaft müsse sich der
Ausgrenzung entgegenstellen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Neonazis
definieren, wer zu uns gehört und wer nicht."
Von vielen Teilnehmern war vor allem der Auftritt von Berlins erstem bekennend
schwulen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit erwartet worden. Wowereits
Ausspruch "Ich bin schwul und das ist auch gut so" war während der Parade auf
T-Shirts und Plakaten vielfach zur Schau getragen worden. Zu seiner Rede auf
der Abschlusskundgebung wurde Wowereit mit Jubel empfangen. Berlin sei kein Ort
der Intoleranz, sagte er. "Wir wollen Demonstrationen der Toleranz, keine
Aufmärsche von Neonazis am Brandenburger Tor."
Am Sonnabend und am Sonntag wurde der "Preis für Zivilcourage" des Vereins
Berliner CSD verliehen. Wowereit übergab den Preis an Paul Spiegel, Präsident
des Zentralrats der Juden. Er bekam die Ehrung für seine Rede auf der
Demonstration für Menschlichkeit und Toleranz am 9. November vergangenen
Jahres. Die anderen Preisträger sind das Schwule Überfalltelefon, die
Musikgruppe "Quer gegen Rechts" und das Andreas Gymnasium in Friedrichshain,
das für seine Aktivität im Rahmen der "Aktion Gesicht zeigen" ausgezeichnet
wurde.
Berliner Zeitung, 25. Juni 2001
www.berliner-zeitung.de
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