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Das Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in der Diskussion Über 70 Personen, mehrheitlich Frauen, hatten sich auf Einladung des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD) am 28. August 2006 zur Diskussion "Welche Zeichen setzt das Denkmal für Lesben und Schwule?" in den Räumen der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin-Kreuzberg eingefunden. Die anfangs angespannte Atmosphäre wich nach sachlich einleitenden Wortbeiträgen einer engagierten und konzentrierten Diskussion, souverän moderiert von Sabine Gilleßen (LSVD-Bundesvorstand). Eingangs berichtete Lela Lähnemann von der Geschichte der Denkmal-Initiative. Der von ihr vertretene Fachbereich Gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport habe die Initiative praktisch vom Beginn 1992 an begleitet und schon 1995 die Veröffentlichung der ersten Denkschrift der Initiative und spätere Veranstaltungen unterstützt. Dabei seien die Unterschiede in der nationalsozialistischen Politik gegenüber Schwulen und Lesben immer wieder zum Thema gemacht worden und Expertinnen wie Claudia Schoppmann zu Podien und Beiträgen eingeladen worden. Die Auseinandersetzung habe sich auch in Umbenennungen von "Initiative Schwulendenkmal" in "Initiative Homomonument" und schließlich in Initiative "Der homosexuellen NS-Opfer gedenken" niedergeschlagen. Günter Dworek ergänzte dann besonders den Zeitraum ab 2000, ab dem der LSVD mit der Denkmal-Initiative eine Kooperation zur politischen Durchsetzung des Projekts einging. Dworek referierte die Intentionen des Bundestagsbeschlusses vom Dezember 2003 und den Weg bis zur Entscheidung über die Gestaltung des Denkmals im Rahmen eines Kunstwettbewerbs, dem eine offene Ideen-Phase von Initiative und LSVD vorgeschaltet war. Er war als Preisrichter an der endgültigen Jury-Entscheidung beteiligt und sagte, er halte den ausgewählten Entwurf für den künstlerisch absolut stärksten im Wettbewerb, habe im Preisgericht aber dennoch nicht die Hand für den Gewinnerentwurf heben können, sondern Bedenken wegen der Geschlechterfrage vorgebracht. Jetzt hoffe er auf eine kreative Weiterarbeit am Konzept. Alle eingereichten Entwürfe waren dem Preisgericht anonym vorgelegt worden. Erst nach der Entscheidung wurden die Namen der Künstlerinnen und Künstler bekannt. Ulrike Janz berichtete von ihrer frühzeitigen Auseinandersetzung mit dem Denkmalsprojekt: 1996 gab es verschiedene Treffen zu dem damals noch relativ jungen Projekt. Im Frühjahr trafen sich Lesben zu einem Meinungsaustausch. Das Ergebnis war, dass die dort versammelten Lesben sich eher nicht in das Projekt einbringen wollten, zu groß erschienen die Unterschiede zwischen Lesben und Schwulen historisch und in der Gegenwart. Gegen Jahresende fand dann die große Konferenz statt, deren Redebeiträge in einem Buch der Heinrich-Böll-Stiftung dokumentiert wurden. Kritisch äußerte sich Janz zu der Unterschriften-Aktion von EMMA zum Denkmal, an der sie sich nicht beteiligt hatte. Sie halte es zwar für richtig, die Einbeziehung von Lesben in das Denkmal zu thematisieren, teile aber nicht die undifferenzierte Herangehensweise von EMMA. Andere, wie Ilse Kokula, die den Aufruf unterzeichnet hatte, verteidigten die EMMA-Aktion. Ohne sie wäre keine Bewegung in die Diskussion gekommen. Die vom Preisgericht ausgewählten Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset machten deutlich, dass es ihnen nicht um "Repräsentation", sondern um ein Kunstwerk ging. Ein Kunstwerk, das vor allem aus der gewohnten und - heterosexuell definierten - männlich-machistischen Sichtweise ausbrechen sollte. Eine künstlerische Strategie des Feminismus, derer sie sich immer wieder bedienten, sei die der Appropriation: der Aneignung von etwas Bekanntem, das mit neuem Inhalt gefüllt werde. So hätten sie auch die Stelen von Eisenman neu genutzt. Wäre es ihnen um Repräsentation gegangen, dann hätte ein küssendes Paar sicher nicht ausgereicht. Dann hätten unterschiedliche Bilder von Männern, von Frauen und von Transgendern gefunden werden müssen. Das aber sei nicht ihre Intention gewesen. Vielmehr ist Elmgreen und Dragset die Intimität der Kussszene wichtig. Unverzichtbar sei, dass es sich um einen endlosen, nicht unterbrochenen Kuss handle. Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer neu war die Information, dass das im Rahmen des Wettbewerbsbeitrags gezeigte Foto eines Kusses nichts zu tun hat mit dem, was später als Video produziert werden soll. Offensichtlich hatten viele das von den Künstlern aus dem Internet gefischte Beispielbild schon für das gewollte Ergebnis gehalten. Auf eine Anregung von Maren Kroymann eingehend, erklärten Elmgreen und Dragset, sie könnten sich sehr gut ein Paar in dem Video vorstellen, das die Erwartungen an geschlechtliche Eindeutigkeit enttäusche, die Betrachtenden offensiv im Unklaren lasse. Elmgreen: "Wichtig ist nicht das Geschlecht, sondern der Kuss." Eine Irritation - sind das Frauen oder Männer? - könne dazu kommen. Das Spielen mit hergebrachten Seherwartungen sei in ihrer künstlerischen Arbeit häufig. Auch deshalb solle es ein aktueller Film sein, keine Bilder von damals: "Wir wollen keine stereotypen Zuschreibungen." Wichtig sei allerdings - und das sei von Anfang an klar gewesen - das Denkmal mit einem Informationsangebot zur Lebenssituation von Lesben und Schwulen im NS zu ergänzen. Nicht alles, was bei diesem Denkmal mitzuteilen sei, könne visuell und symbolisch dargestellt werden. Auch das Frankfurter Denkmal, der verfremdete Engel, geschaffen von einer heterosexuellen Künstlerin, verzichte auf direkte Repräsentation. Der asexuelle Engel, weise in seiner Zerbrochenheit auf die Verbrechen hin, an die zu erinnern er geschaffen wurde. In der weiteren Diskussion wurde immer wieder der Wunsch nach bildlicher Repräsentation der Lesben im Denkmal zum Ausdruck gebracht. Dazu wurden verschiedene Vorschläge gemacht: ein männlich/weiblich quotiertes Video, zusätzliche Öffnungen und Projektionen in der Stele, ein auf die Vergangenheit und ein auf die Gegenwart bezogenes Video und manches mehr. Den Künstlern wollte dabei niemand direkte Vorgaben machen oder das Kunstwerk in Mehrheitsentscheiden abändern lassen. Optimistisch zeigte sich Albert Eckert von der Denkmals-Initiative: Er traue den geschlechterpolitisch bewussten Künstlern durchaus zu, ein Denkmal zu schaffen, das zusammen mit einer erläuternden Tafel zur NS-Geschichte von Lesben und Schwulen allen vom Bundestag gestellten Aufgaben gerecht werde: "Beantwortet das Video die Frage nach dem Geschlecht mit bewusster Verunsicherung, so kann die politische Forderung nach visueller Repräsentation nicht ernsthaft erhoben werden." Einigen Raum nahmen in der Diskussion Verfahrensfragen ein. War beim Kunstwettbewerb, der im Auftrag des Bundes durchgeführt wurde, das Preisgericht wirklich nur mit 9 Männern und 2 Frauen zu besetzen? Entsprach die Besetzung einschlägigen Vorschriften? Geklärt werden konnten diese Fragen in der Diskussion nicht, doch forderte niemand ein komplett neues Verfahren. Dann wäre, so meinte ein Teilnehmer skeptisch, recht ungewiss, ob die Bundesregierung überhaupt erneut einen Wettbewerb ausloben und ein Denkmal errichten werde. Albert Eckert
Im Nachgang zu dieser Diskussion hat der LSVD seine Positionen neu zusammengefasst: LSVD-Positionen zur Denkmalsdiskussion
Es ist ein großer Erfolg, dass der Bundestag 2003 die Errichtung eines
Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen beschlossen
hat. Die langjährige Arbeit des LSVD und der Initiative "Der homosexuellen
NS-Opfer gedenken" hat schließlich die Mehrheit des Parlaments überzeugt,
dass auch dieser Opfergruppe würdig gedacht werden muss. Das Denkmal soll
laut Bundestagsbeschluss
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